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Vorurteile gegen 0190-/0900-Rufnummern? Die nachfolgenden Ausführungen wenden sich an diejenigen,
Als Koordinator des Telefonservices "psychorat!" möchte ich Sie dazu anregen, ein Honorar-Inkasso über die Telefonrechnung mittels einer 0190-/0900-Service-Rufnummer nicht pauschal zu kritisieren, sondern hierbei zu differenzieren. Es mag sicherlich Anbieter von Leistungen unter einer 0190-/0900-Rufnummer geben, bei denen das Preis-Leistungs-Verhältnis fragwürdig ist und mancher Nutzer das Gefühl hat, übervorteilt worden zu sein. Sie kennen vielleicht die Telefondienste, die an Mangelerscheinungen menschlicher Triebbefriedigung ansetzen und entpersonifizierte sexuelle Stimulierung verkaufen; andere bieten unter solchen Nummern kostenpflichtige Fax-Abrufe, um Prospektunterlagen über ihre Angebote zu versenden, und vielerlei andere Dienste oder sogenannte Dienste sind bekanntgeworden: Sie haben vielleicht bereits Ihre eigene Bewertung solcher Dienste gefunden, und letztendlich muß jede(r) Einzelne für sich entscheiden, ob er (sie) einen solchen Dienst in Anspruch nimmt oder nicht. Nun kommt jemand daher und bietet einen seriösen qualifizierten Service unter einer altbekannten - z.T. in Mißkredit gebrachten - 0190-/0900-Rufnummer an, und schon schrillen bei einigen Kritikern die Alarmsirenen, weil sie hier eine weitere "Abzocke" wittern. Diese Reaktion halte ich jedoch für undifferenziert, weil sie unterstellt, daß alle Angebote unter einer 0190-/0900-Service-Rufnummer unseriös seien, was sicherlich nicht zutrifft. Kaum jemand stört sich daran, wenn er eine 0190-/0900-Rufnummer wählen muß, um z.B. bei einer Computer- oder Software-Hotline individuelle Auskünfte zu seinen Installationsproblemen zu erhalten (meist für 1,86 Euro / Min.!). Selbst die Verbraucherzentralen, die ja in der Öffentlichkeit einen hohen Ansehens-Kredit genießen, weil sie sich für Verbraucherinteressen einsetzen, bieten unter solch einer kostenpflichtigen Rufnummer - häufig ebenfalls zu dem stolzen Tarifsatz von 1,86 Euro die Minute (!) - telefonische Beratung in Verbraucher-, Versicherungs-, Rechts- und ähnlichen Angelegenheiten an und dürfen für diese Angebote in bestimmten Zeitschriften sogar noch redaktionelle Beiträge schalten, was m.E. eine klare Wettbewerbsverzerrung darstellt, soweit es um die Vermarktung von kostenpflichtigen Dienstleistungen geht. Nun zu der Frage, die auch manchmal zu hören ist: "Wieso kassiert Ihr denn ab für den Kummer von anderen?!" Hierzu möchte ich Sie über Folgendes aufklären: Ein Telefonat mit dem Beratungs-Service kostet den Anrufer / die Anruferin 1,74 Euro die Minute. Hiervon behält die Netzbetreiberin einen erheblichen Anteil für sich ein. Hinzu kommen die gewaltigen Kosten für Werbemaßnahmen, weil die Bekanntgabe des Services in der Öffentlichkeit leider eigenfinanziert werden muß (insbesondere halte ich die Anzeigenpreise in Tageszeitungen und Zeitschriften für exorbitant und unangemessen hoch!). Es ist wohl einleuchtend, daß nach alledem durch die Telefonberatung - jedenfalls bei dem genannten Entgelt - nicht "abkassiert" wird. Daß der Beratungs-Service dennoch angeboten wird, ist derzeit eher auf Idealismus als auf Gewinnstreben zurückzuführen. Was den angestrebten Verdienst angeht, erübrigt sich der Hinweis, daß auch in anderen sog. Tabu-Bereichen verdient wird: am Tod wird verdient von Bestattungsunternehmen usw., an der Krankheit wird verdient von Ärzten, sonstigen Therapeuten und vielen anderen unmittelbaren und mittelbaren Heilberufen - die Beispiele ließen sich beliebig fortführen. Der oben gestellten Frage liegt offenbar die - in der Öffentlichkeit weit verbreitete - Ansicht zugrunde, daß Beratungsangebote für seelische Beschwerden bzw. psychische Kümmernisse grundsätzlich kostenlos - wie z.B. bei der Telefonseelsorge - zu erfolgen haben. Dieser Haltung vermag sich der Koordinator der Telefonberatung nicht anzuschließen (von signifikanten Not- bzw. Krisensituationen abgesehen). Zum einen ist auch eine qualifizierte psychologische Beratung eine entgeltwerte Dienstleistung, die zu erbringen nur jemand in der Lage ist, der / die zuvor entsprechende Ausbildungen absolviert hat, in die er / sie in der Regel auch viel Geld investiert hat. Zum anderen verursachen auch die im psychosozialen Bereich bekannten sogenannten kostenlosen Dienstleistungen natürlich Kosten, die von irgend jemand - sei es vom Staat oder von den Kommunen (also vom Steuerzahler), von der Kirche, von der Telekom, von sonstigen Sponsoren oder von der Gemeinschaft der Sozialversicherungs-Beitragszahler - getragen werden. Das im sozialen Bereich und im Gesundheitswesen anzutreffende Phänomen, daß diejenigen, die Leistungen erhalten, wegen der Sozialisierung der Aufwände für diese Leistungen häufig keine Vorstellung von den von ihnen im einzelnen verursachten Kosten haben, führt oft zu einer zumindest unbewußten Distanzierung von der eigenen Verantwortlichkeit. Auch, wenn nicht zu verkennen ist, daß einerseits eine immer größer werdende Zahl von Mitmenschen immer weniger finanzielle Mittel für ihre Eigenversorgung zur Verfügung hat, gibt es andererseits einen unübersehbar großen Anteil besser- und bestverdienender Bürger, denen auch wegen des allgegenwärtigen Kostendruckes bei den sozialen Dienstleistungen eine größere Eigenbeteiligung bei der Inanspruchnahme derartiger Angebote zuzumuten ist. Insgesamt wird hier sicherlich langfristig eher früher als später ein Umdenken erforderlich sein. Das Motto der "psychorat!"-Beratung, bei der aufgrund qualifizierter Ausbildung gegen ein adäquates Entgelt eine kompetente Dienstleistung angeboten wird, heißt: Guter Rat muß nicht teuer sein - aber er hat seinen Preis. Es erübrigt sich der Hinweis, daß es jedem freisteht, den Telefonberatungs-Service in Anspruch zu nehmen oder auf andere Angebote auszuweichen, um die gewünschte Leistung nachzufragen. Diejenigen, die den psychologischen Beratungs-Service "psychorat!" unter Inkaufnahme der höheren Telefonrechnung in Anspruch nehmen, werden sicherlich ihre guten Gründe dafür haben. Was speziell die Telefonseelsorge betrifft, so wird auf die vergleichende Darstellung Unterschiede zur Telefonseelsorge hingewiesen. Zur Seite Pressemitteilung
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